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Corporate Governance. Liberale Positionen zum Thema Unternehmensführung

Mit ihrem an der Europäischen Akademie in Berlin-Grunewald organisiertem Seminar haben Altstipendiat Dr. Georg F. Altenkirch und Stipendiat Thomas Natkowski, Mitglieder des Arbeitskreises Wirtschaft & Soziales der Stipendiaten, einen Überblick zur Corporate Governance geben wollen und dabei eine Reihe aktueller und heftig umstrittener Themen genauer analysiert. So wurden Vor- und Nachteilen der Mitbestimmung betrachtet sowie die Argumente der auch in akademischen Kreisen geführten Debatte um eine leistungsbasierter Managementvergütung diskutiert.

Als Eröffnungsredner berichtete Christoph Keese, Chefredakteur von „Welt am Sonntag“ sowie „Welt Online“, über die politischen Hintergründe der Entstehung des deutschen Corporate Governance Kodex und die Probleme seiner flächendeckenden Durchsetzung. Keese vertrat dabei die Auffassung, dass der Staat im Falle von Marktversagen sehr wohl eine Form effizienter Regulierung wählen kann, sich aber grundsätzlich von eigenem unternehmerischen Handeln fernzuhalten habe. Hierfür sei die desolate Situation der Staatsbanken – von IKB bis Sächsische LB – ein eindrucksvoller Beleg.

Prof. Dominique Demougin, Ph.D., Leiter des Instituts für Law, Governance & Economics an der European Business School in Oestrich-Winkel, erläuterte er die theoretischen Grundlagen der ökonomischen Corporate-Governance-Debatte. Er zeigte, wie mit Hilfe neuer Informations- und Kommunikationstechnologien die ökonomischen Probleme asymmetrisch verteilter Informationen und unvollständiger Verträge gemindert werden können.

Für ein Reformmodell der Unternehmensmitbestimmung plädierte Prof. Dr. Dr. Christian Kirchner, LL.M., Inhaber des Lehrstuhls für deutsches, europäisches und internationales Zivil- und Wirtschaftsrecht und Institutionenökonomik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Dabei zeigte er zunächst die problematische Abschirmung des Managements gegenüber den Aktionären auf, welche sich aus der Mitbestimmung im Aufsichtsrat ergeben kann. Die Skandale um Interessenvermengung bei VW und Siemens sind dafür ein Beispiel. Stattdessen könnte die Entkoppelung von Mitbestimmung und Aufsichtsrat Effizienzvorteile für alle Beteiligten gewährleisten.

Dr. Friedrich Wirsing, ehem. Mitglied des Aufsichtsrates der BASF AG, stellte in seinem Beitrag das Vergütungssystem der leitenden Angestellten der BASF SE vor, welches auf einem einheitlichen Faktor der Unternehmensperformance verbunden mit der Erreichung individueller Leistungsziele basiert. Dieses Schema als transparent und fair bewertet. Basierend auf dem Vortrag von Professor Kirchner ging er ebenfalls auf die strukturellen Veränderungen der Mitbestimmung ein, welche bei der Transformation einer deutschen Aktiengesellschaft in die Form der „SE“ entstehen.
Gespräch im Kaminzimmer
In einem abendlichen Kaminzimmergespräch gab Hellmut Königshaus MdB, Mitglied der FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag und Sprecher für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Einblicke in die praktischen Möglichkeiten liberaler Politik zum Thema Unternehmensführung. Königshaus berichtete über seine politischen wie praktischen Erfahrungen zum Thema Mitbestimmung und vertrat die Ansicht, dass unter den gegebenen politischen Bedingungen eine Liberalisierung kaum zu erreichen sei. Der zweite Teil des Abends galt der Beziehung von wirtschaftlicher Zusammenarbeit, Corporate Governance und Wohlstand in Entwicklungsländern. Neben der Hilfe bei Aufbau von Rechtssystem und Institutionen ist die Förderung ethischer Unternehmensführung von zentraler Bedeutung für die allgemeine Verbesserung des Wohlstands in diesen Ländern.

Die Ethik des Unternehmertums war Thema von Prof. Dr. Gerd Habermann, Direktor des Unternehmerinstituts der Familienunternehmer und Vorstandsvorsitzender von-Hayek-Stiftung. Er versuchte, die verschiedenen Diskussionsstränge des Seminars zu einem liberalen Gesamtbild zusammenzufügen. Deutlich kritischer als seine Vorredner sah er dabei die Rolle des Staates und den Bedarf an der Regulierung von Corporate Governance.

Prof. Dr. Markus Rudolf, Ordinarius und Inhaber des Dresdner Bank Stiftungslehrstuhls für Finanzwirtschaft sowie Leiter des Center of Private Banking an der WHU, gab den Teilnehmern einen grundlegenden Überblick über den Markt für Hedge Fonds und stellte den außerordentlichen Beitrag solcher Fonds für die Effizienz des Finanzmarktes dar. Die im Durchschnitt erheblich über Marktniveau erzielten Renditen dieser Fonds gehen jedoch einher mit Risiken, welche für Anleger normaler Finanzmarktprodukte nicht bestehen. Aus Corporate-Governance-Perspektive stellen Hedge Fonds im Vergleich zu Private-Equity-Gesellschaften eher passive Akteure dar, welche sich nur selten direkten Firmenbeteiligungen widmen.


Zu Fragen der Regulierung haben sich die Teilnehmer des Seminars in verschiedenen Arbeitsgruppen beschäftigt. Ein Eingriff des Staates in die Gestaltung der Managerbezahlung (wie von führenden Sozialdemokraten in Form eines Gesetzes gegen Abfindungen gefordert) wurde von der Mehrheit der Teilnehmer prinzipiell abgelehnt. Zugleich wurde eine Reformierung der Mitbestimmung auf Unternehmensebene gefordert, ohne dabei die Effizienzvorteile einer Koordination der Interessen auf Betriebsebene zu verkennen. Die staatliche Kontrolle und Regulierung von Hedge Fonds, Private-Eqity-Gesellschaften und Staatsfonds wurde als Eingriff in die Effizienz freier Märkte kritisch betrachtet, auch wenn die Bildung staatlicher Investmentfonds und deren Aktivitäten durchaus widersprüchlich diskutiert wurden.

Die angenehme Atmosphäre der Europäischen Akademie und die hochkarätigen Referenten haben spannende Diskussionen angeregt, welche am abendlichen Kaminfeuer ihre Fortsetzung gefunden haben. Da Corporate Governance im institutionellen Gefüge des Wirtschaftssystems eng mit der Public Governance verbunden ist, wurde das Seminar durch einen Besuch in der Reichstagskuppel abgerundet.

Dr. Georg F. Altenkirch / Thomas Natkowski

Das Seminar fand in Kooperation mit dem Regionalbüro Berlin-Brandenburg statt und wurde mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin gefördert. Wir danken der BASF für die freundliche Unterstützung.

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