Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit - Südafrikanische Kommunalpolitiker lernen online [Druckversion]




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Südafrikanische Kommunalpolitiker lernen online


Teilnehmer des Seminars
Während sechs Wochen haben sich Kommunalpolitiker der Democratic Alliance (DA) aus ganz Südafrika in einem Pilotprojekt Wissen zu New Public Management (NPM) angeeignet. Konzeption und Entwicklung des zweiphasigen Online-Seminars lagen in der Verantwortung von Fred Nel, dem Vorsitzenden des kommunalpolitischen Dachverbandes ADAC, der Association of Democratic Alliance Councillors . "ADAC hat zum ersten Mal ein Online-Seminar konzipiert. Das Prinzip des New Public Management Online-Seminars lehnt sich an das von der IAF International e-academy 2006 erfolgreich eingeführte NPM Online-Seminar an. Es ist eine kostengünstige Trainingsmethode. Sie erlaubt Teilnehmern aus ganz Südafrika, zeitgleich rund ums Thema New Public Management zu interagieren", sagte Fred Nel zur Frage, was die Beweggründe für die Entwicklung des Online-Seminars waren.

Mehr zu DA und ADAC
Die Kommunalpolitiker mussten sich zunächst auf einer Internetplattform einloggen und wurden dann nach und nach durch das E-Learning-Programm geführt. Als erstes gab es Fachliteratur zu New Public Management herunterzuladen; es galt sich in die theoretischen Grundlagen des New Public Managements einzulesen. In einem nächsten Schritt klärten die DA-Kommunalpolitiker interaktiv Verständnisfragen und tauschten gegenseitig Überlegungen zu New Public Management aus. In diesem offenen Internet-Forum hatten die Teilnehmenden auch verschiedene Fragen zu New Public Management zu diskutieren.

Verwaltungsabläufe effizienter gestalten

Beispielsweise mussten sich die Kommunalpolitiker überlegen, welche Reformen in Südafrika notwendig sind, bevor New Public Management auf kommunalpolitischer Ebene überhaupt eingeführt werden kann, oder wie Kritiker gegen New Public Management argumentieren würden. In ihren Ausführungen schienen sich die Teilnehmenden einig zu sein, dass New-Public-Management-Prinzipen in manchen Bereichen ohne große vorausgehenden Reformen angewendet werden können und dass sich kritische Stimmen hauptsächlich um die Rechtsstaatlichkeit der privatisierten Aufgaben fürchten dürften.

Als weitere Herausforderung hatten die Kommunalpolitiker in der ersten Seminarphase einen Aufsatz zu schreiben: Zu skizzieren war eine konkrete New Public Management Reform für eine kommunale Staatsverwaltung, mit der die Verwaltungsabläufe effizienter gestaltet und öffentlich-rechtliche Dienstleistungen verbessert werden können. Als Reformideen führten die südafrikanischen Kommunalpolitiker hauptsächlich die Privatisierung von verschiedenen Aufgabenbereichen aus, wie zum Beispiel der Abfallentsorgung, des Straßenunterhalts, des Elektrizitätswesens, der Wasserversorgung sowie eines öffentlichen Schlachthausbetriebs. Andere legten den wirtschaftlichen Zusammenschluss von mehreren Gemeinden oder die Einführung von E-Government als Reformmaßnahme dar. Abgeschlossen wurde die erste Seminarphase mit einem Fragebogen, mit dem die Teilnehmenden ihr Verständnis von New Public Management überprüfen konnten.




Mehr zu New Public Management
Während der zweiten Online-Seminarphase ging es vor allem darum, das gelernte theoretische Wissen zu vertiefen und einen Bezug zur täglichen Arbeit herzustellen. Es fanden Diskussionsforen über schlanke Staatsverwaltung und Management in Kommunalregierungen statt, und es wurde ausgetauscht, wie die DA-Kommunalpolitiker Stakeholder gewinnen können, die sie unterstützen, New Public Management im Arbeitsalltag zu implementieren. Die Kommunalpolitiker lernten Bereiche und Abläufe ihrer politischen Arbeit zu identifizieren, in denen New Public Management Reformen eingeführt werden können. Sie gewannen Verständnis dafür, welche NPM Reformen sie bei welchen Gegebenheiten wirksam einsetzen können.

Workshop mit den besten 14 Teilnehmern

Diese Fertigkeiten waren in einer letzten umfassenden Übung unter Beweis zu stellen: Alle Teilnehmenden mussten auf Papier ein spezifisches Projekt zur Implementierung von New Public Management in der eigenen Kommunalverwaltung entwickeln. Dabei sollten Dienstleistungen der Verwaltung verbessert oder aber das Personal der Kommunalverwaltung überzeugt werden, kundenorientiert zu denken und zu arbeiten. Einzubeziehen waren in der Projektentwicklung sowohl hinderliche wie auch begünstigende Voraussetzungen, und es war zu umschreiben, welche konkreten positiven Veränderungen das Projekt den Bürgerinnen und Bürgern bringen würde.

Jeanine Nothnagel, DA-Gemeinderätin aus der Provinz Free State
präsentiert die Arbeit ihrer Gruppe zu den NPM-Werkzeugen
Im Anschluss an die zwei Phasen des Online-Seminars fand im Büro der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Kapstadt unter der Leitung des ADAC-Vorsitzenden Fred Nel ein dreitägiger Workshop statt. Dazu waren die 14 bestqualifizierten Teilnehmer der beiden Online-Seminarphasen eingeladen. Während zwei Tagen evaluierten die Workshop Teilnehmer das Online-Seminar, tauschten Beispiele von bestehendem Missmanagement in ihren Kommunen aus, analysierten die Gründe dafür und diskutierten wie das Missmanagement zu beheben ist. In verschiedenen Gruppenarbeiten konzentrierten sich die Kommunalpolitiker der DA auf New-Public-Management-Konzepte, auf NPM-Instrumente sowie auf die Anwendung von NPM-Methoden in der alltäglichen Praxis.

"Der Workshop bot eine einmalige Gelegenheit, Kollegen und Kolleginnen aus allen Provinzen Südafrikas kennenzulernen, auszutauschen, Netzwerke zu schaffen und zu realisieren, dass wir in der DA am gleichen Strick ziehen", meinte begeistert Debbie Schäfer, DA-Stadträtin aus Kapstadt. Am letzten Tag illustrierte Ian Neilson, DA-Stadtrat und Schatzmeister der Kommunalregierung Kapstadts einige Beispiele von New Public Management in der Kapstädter Regierungsverwaltung. Ian Neilson verstand es, in einer spannenden Präsentation ein verständliches und greifbares Bild über die Finanzpolitik Kapstadts aufzuzeigen. Anhand von dargelegten praktischen Erfahrungen gelang es dem eloquenten Schatzmeister nicht nur auf die Chancen, sondern auch auf die Grenzen des New Public Managements hinzuweisen:

"Manchmal fühle ich mich über 2.000 km von Kapstadt entfernt sehr einsam“

"Bevor man New Public Management implementieren kann, muss man wissen, was man überhaupt will und wie dieses Ziel zu erreichen ist. Eine nicht bzw. schlecht funktionierende Verwaltung, so wie wir sie bei der Machtübernahme in Kapstadt vorgefunden haben, wird auch mit NPM nicht einfach so funktionieren", verdeutlichte Ian Neilson. In einer letzten Gruppenarbeit entwickelten die Teilnehmenden zum Abschluss konkrete Massnahmen zu den Fragen, wie mit NPM-Gegnern umzugehen ist, wie potenzielle verbündete Kräfte zu gewinnen sind und wie NPM begünstigende Umstände geschaffen werden können. Nach einem gemeinsamen Mittagessen machten sich die DA Kommunalpolitiker schliesslich auf zum Flughafen und flogen wieder zurück in ihre Gemeinden, die in sechs verschiedenen Provinzen Südafrikas liegen.




Kapstadt aus der Satelliten-Perspektive
"Manchmal fühle ich mich als Gemeinderätin hier in meiner kleinen Ecke in meiner weit abgelegenen Gemeinde in der Provinz Limpopo über 2.000 km von Kapstadt entfernt sehr einsam, und ich vergesse, welch faszinierende Personen in der DA sind und liberales Gedankengut verbreiten. In diesem Seminar bin ich daran erinnert worden, und ich danke Euch dafür", klingt es ein paar Tage nach dem Workshop durch die Drähte des Internets aus einer E-Mail von der Seminar Teilnehmerin Astrid Basson an ihre Online-Seminar Gefährten der Democratic Alliance.

Katja Manuela Egger
Cape Town
South Africa

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